Motorspülung - Motorpflege und Reinigung

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Motorspülung

Der umfassende Ratgeber

Von der Wissenschaft hinter der Ölalterung über die richtige Produktwahl bis zur Schritt-für-Schritt-Anleitung – hier finden Sie alles, was Sie für eine fundierte Entscheidung brauchen.

Was ist eine Motorspülung?

Der Begriff „Motorspülung“ wird im Alltag für zwei verschiedene Dinge verwendet. Um Missverständnisse zu vermeiden, unterscheiden wir in diesem Ratgeber klar:

Motorspülung = Das Verfahren

Der Vorgang der Motorreinigung. Ein chemisch-mechanisches Reinigungsverfahren, bei dem das Motorinnere vor dem Ölwechsel von Ablagerungen, Ölschlamm und Verkokungen befreit wird.

Motorspülmittel = Das Produkt

Das chemische Reinigungsprodukt, das in den Ölkreislauf gegeben wird. Enthält Detergentien, Dispergiermittel und Verschleißschutz-Additive, die Ablagerungen lösen und im Öl binden.

Definition

Eine Motorspülung ist ein chemisch-mechanisches Reinigungsverfahren, das gezielt Ablagerungen, Ölschlamm und Verkokungen aus dem Inneren eines Verbrennungsmotors entfernt.

Das Motorspülmittel wird vor dem Ölwechsel in das noch warme Motoröl gegeben und zirkuliert im Leerlauf durch das gesamte Schmiersystem. Es löst festgesetzte Ablagerungen chemisch auf, emulgiert zähflüssigen Ölschlamm und bringt Verunreinigungen in Schwebe, damit sie zusammen mit dem Altöl restlos abfließen.

Stellen Sie sich eine Motorspülung wie eine Tiefenreinigung für Ihren Motor vor – vergleichbar mit einer professionellen Zahnreinigung, die dort ansetzt, wo die tägliche Pflege an ihre Grenzen stößt. Während ein normaler Ölwechsel lediglich das alte Öl ablässt und durch frisches ersetzt, bleibt dabei ein erheblicher Anteil von 15 bis 25 Prozent des verbrauchten Altöls im Motor zurück. Dieses Restöl haftet in Ölkanälen, an Kolbenringen und in schwer zugänglichen Nischen des Kurbelgehäuses. Das Ergebnis nach einer Spülung: saubere Ölkanäle, frei bewegliche Kolbenringe und ein Motor, der atmen kann wie am ersten Tag.

Normaler ÖlwechselÖlwechsel mit Motorspülung
Altöl-Rückstände15–25 % verbleiben im MotorNahezu restlose Entfernung
ÖlschlammWird nicht gelöstWird chemisch aufgelöst und ausgespült
KolbenringeBleiben verkoktWerden von Ablagerungen befreit
ÖlkanäleEngstellen bleiben bestehenWerden freigelegt und gereinigt
Frisches ÖlMischt sich mit Altöl-RestenArbeitet auf sauberer Basis

Warum altert Motoröl überhaupt?

Um zu verstehen, warum eine Motorspülung so wertvoll sein kann, lohnt sich ein Blick auf die Vorgänge, die Motoröl im Laufe der Zeit verändern. Motoröl ist weit mehr als ein einfacher Schmierstoff – es ist ein hochkomplexes Chemieprodukt mit dutzenden Zusatzstoffen, die unter extremen Bedingungen arbeiten. Im normalen Betrieb herrschen Temperaturen von 90 bis 120 °C im Ölkreislauf, was über Monate und Tausende von Kilometern hinweg eine schleichende Oxidation des Öls verursacht. Ähnlich wie Eisen an feuchter Luft rostet, reagieren die Ölmoleküle mit dem Sauerstoff im Motor und bilden dabei saure Verbindungen und Lacke.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Ölalterung

Die Alterung von Motoröl vollzieht sich über drei Hauptmechanismen, die gleichzeitig ablaufen und sich gegenseitig verstärken:

Oxidation (90–120 °C): Sauerstoff reagiert mit den Kohlenwasserstoff-Ketten des Öls. Die entstehenden Peroxide und Säuren greifen Metalloberflächen an und bilden lackähnliche Ablagerungen. Je heißer der Motor läuft und je länger das Öl im Einsatz bleibt, desto stärker fortgeschritten ist dieser Prozess.

Thermische Zersetzung: An besonders heißen Stellen des Motors – etwa an den Kolbenringen bei bis zu 300 °C oder am Turbolader bei bis zu 700 °C – werden Ölmoleküle regelrecht aufgebrochen. Dabei entstehen kohlenstoffreiche Rückstände, die sich als Verkokung festsetzen und mit der Zeit zu einer harten, lackartigen Schicht aushärten.

Kontamination: Über die sogenannten Blow-by-Gase gelangen Verbrennungsrückstände, Rußpartikel, Kondenswasser und unverbrannter Kraftstoff ins Motoröl. Im Kurzstreckenbetrieb kann sich bis zu 5 % Wasser im Öl ansammeln – ein idealer Nährboden für Schlammbildung.

All diese Prozesse laufen von der ersten Minute an, in der frisches Öl durch den Motor zirkuliert. Die im Öl enthaltenen Additive – also Zusatzstoffe wie Detergentien, Dispergiermittel und Antioxidantien – puffern diese Effekte eine Weile ab, werden dabei jedoch selbst aufgebraucht. Sobald ihre Kapazität erschöpft ist, beschleunigt sich die Verschmutzung drastisch. Eine Motorspülung setzt diesen Kreislauf zurück, indem sie die angesammelten Ablagerungen löst und dem frischen Öl einen sauberen Start ermöglicht.

Motor-Vitalitäts-Check

Wie dringend braucht Ihr Motor eine Spülung? Unser interaktiver Motor-Vitalitäts-Check analysiert Ihren individuellen Fahrstil, den Zustand Ihres Motors und potenzielle Risikofaktoren. Beantworten Sie die folgenden acht Fragen, und Sie erhalten eine persönliche Einschätzung mit konkreter Handlungsempfehlung. Der Check dauert weniger als zwei Minuten und basiert auf denselben Kriterien, die auch Werkstatt-Profis zur Beurteilung heranziehen.

1Aktueller Kilometerstand

2Durchschnittliche Fahrstrecke pro Fahrt

3Letzter Ölwechsel

4Motorgeräusche (Nageln, Klappern) im Leerlauf?

5Häufigkeit von Stop-and-Go-Verkehr

6Turbolader vorhanden?

7Motortyp

8Ölverbrauch zwischen Ölwechseln

Wirkstoffe im Motorspülmittel – Was steckt drin?

Hinter dem scheinbar simplen Vorgang einer Motorspülung verbirgt sich eine ausgeklügelte Chemie. Moderne Motorspülungen bestehen aus vier Hauptkomponenten, die jeweils eine spezifische Aufgabe erfüllen. Das Zusammenspiel dieser Wirkstoffe entscheidet darüber, ob eine Spülung sanft und gründlich reinigt oder ob sie mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Genau deshalb lohnt sich ein genauerer Blick auf die einzelnen Bestandteile.

WirkstoffFunktionVergleich
Detergentien (Calciumsulfonat)Lösen Ablagerungen von MetalloberflächenWie Spülmittel beim Geschirrspülen
Dispergiermittel (PIB)Halten gelöste Partikel in SchwebeWie eine Transportpolizei für Schmutz
Verschleißschutz (ZDDP, MoS₂)Bilden Schutzfilm auf blanken FlächenWie ein temporärer Schutzmantel
Trägermedium (Öl oder Lösungsmittel)Transportiert Wirkstoffe durch den MotorÖlbasiert = sanft, Lösungsmittel = aggressiv

Detergentien – Die Reinigungskraft

Die Hauptreinigungskomponente bilden Detergentien auf Basis von Calciumsulfonat. Diese Moleküle besitzen eine sogenannte amphiphile Struktur: Ein Ende des Moleküls haftet an Verunreinigungen und Ablagerungen, während das andere Ende im Öl löslich ist. Das Prinzip funktioniert ganz ähnlich wie Spülmittel beim Geschirrspülen – das Detergens umschließt die Schmutzpartikel, löst sie von der Metalloberfläche und hält sie im Öl in Schwebe, bis sie beim Ölablassen mit ausgespült werden. Calciumsulfonat hat darüber hinaus den Vorteil, dass es basisch reagiert und so die sauren Verbrennungsnebenprodukte im Öl neutralisiert.

Dispergiermittel – Die unsichtbare Transportpolizei

Während die Detergentien Ablagerungen lösen, sorgen Dispergiermittel auf Basis von Polyisobutylen (PIB) dafür, dass die gelösten Partikel nicht wieder zusammenklumpen und erneut Ablagerungen bilden. Sie halten selbst winzigste Teilchen – kleiner als ein Mikrometer, also ein tausendstel Millimeter – gleichmäßig im Öl verteilt. Ohne diese Dispergiermittel würden die gelösten Schmutzpartikel an Engstellen wie dem Ölsieb oder den feinen Ölkanälen des Turboladers zusammenbacken und dort Verstopfungen verursachen. Man kann sich Dispergiermittel wie eine unsichtbare Transportpolizei vorstellen, die dafür sorgt, dass der gelöste Schmutz geordnet zum Ausgang – also zur Ölablassschraube – geleitet wird.

Lösungsmittelbasiert vs. Ölbasiert – Ein wichtiger Unterschied

Lösungsmittelbasierte Spülungen verwenden organische Lösungsmittel wie Kerosin oder Naphtha, um Ablagerungen aggressiv aufzulösen. Sie wirken schnell und kraftvoll, können bei unsachgemäßer Anwendung jedoch Dichtungen angreifen – vor allem ältere NBR-Dichtungen (Nitrilkautschuk), die vor dem Jahr 2000 verbaut wurden. Diese Produkte müssen unbedingt nach der vorgeschriebenen Einwirkzeit wieder abgelassen werden.

Ölbasierte Spülungen (solvent-free) nutzen stattdessen Trägeröl mit hochkonzentrierten Detergentien. Sie arbeiten sanfter, sind zu 100 % dichtungsverträglich und hinterlassen einen Schutzfilm auf den Metalloberflächen. Der Nachteil: Sie benötigen etwas mehr Einwirkzeit und lösen extrem hartnäckige Verkokungen weniger aggressiv. Für die allermeisten Anwendungsfälle sind ölbasierte Produkte jedoch die bessere und sicherere Wahl.

Verschleißschutz-Additive

Hochwertige Motorspülungen enthalten zusätzlich Verschleißschutz-Additive wie ZDDP, Bor-Verbindungen und Molybdän-Disulfid. Diese Stoffe bilden während des Spülvorgangs eine hauchdünne Schutzschicht auf den blanken Metalloberflächen, die nach dem Lösen der Ablagerungen freiliegen. Ohne diesen Schutz wären die frisch gereinigten Laufflächen in den Minuten zwischen Spülung und frischem Öl einem erhöhten Verschleiß ausgesetzt. Die Schutzschicht wirkt wie ein temporärer Schutzmantel, der die empfindlichen Oberflächen überbrückt, bis das neue Motoröl seinen vollen Schmierfilm aufgebaut hat.

Vorsicht bei Billigprodukten
Günstige Motorspülungen unter 10 Euro verzichten häufig auf Dispergiermittel und Verschleißschutz-Additive. Das Ergebnis: Zwar werden Ablagerungen gelöst, aber die Partikel klumpen zusammen und können das Ölsieb oder feine Kanäle verstopfen. Zudem fehlt der schützende Film auf den freigelegten Metalloberflächen. Investieren Sie lieber in ein bewährtes Markenprodukt – die Differenz von wenigen Euro steht in keinem Verhältnis zu den potenziellen Folgekosten eines verstopften Ölkanals.

Wie Ölschlamm und Verkokung im Motor entstehen

Ölschlamm und Verkokung sind keine Zufallsprodukte – sie entstehen durch ganz bestimmte Betriebsbedingungen und Wartungsfehler, die den natürlichen Alterungsprozess des Öls massiv beschleunigen. Wer diese Ursachen kennt, kann gezielt gegensteuern und seinen Motor vor teuren Folgeschäden bewahren. Die häufigsten Auslöser lassen sich in vier Kategorien einteilen.

Kurzstreckenverkehr – Der stille Motorkiller

Kurzstreckenfahrer aufgepasst
Wer überwiegend Strecken unter 10 km fährt, setzt seinen Motor einem der größten Verschmutzungsrisiken überhaupt aus. Im Kurzstreckenbetrieb erreicht das Motoröl nie seine optimale Betriebstemperatur von 90 bis 100 °C, die notwendig wäre, um Kondenswasser und Kraftstoffreste aus dem Öl zu verdampfen.

Das Problem beim Kurzstreckenfahren liegt in der Physik: Bei jedem Kaltstart kondensiert Wasserdampf aus der Verbrennungsluft an den noch kalten Zylinderwänden und gelangt über die Kolbenringe ins Kurbelgehäuse. Gleichzeitig wäscht unverbrannter Kraftstoff den Ölfilm von den Zylinderwänden und verdünnt das Motoröl. Im Normalbetrieb würde eine Öltemperatur von über 100 °C diese Verunreinigungen wieder austreiben. Bei kurzen Fahrten bleibt das Öl jedoch kalt, und das Wasser sammelt sich an. Die Folge ist eine mayonnaise-artige Emulsion – ein gelblich-brauner, zäher Schleim, den viele Autofahrer als gelblichen Belag unter dem Öldeckel kennen. Diese Emulsion ist nicht nur ein optisches Problem: Sie verstopft feine Ölkanäle, bindet Additive und beschleunigt die Korrosion von Motorteilen erheblich.

Überzogene Ölwechselintervalle

Jedes Motoröl hat eine begrenzte Menge an Additiven, die wie ein Puffer wirken. Nach etwa 15.000 bis 20.000 Kilometern ist dieser Additivvorrat in der Regel erschöpft – die sogenannte Additiverschöpfung tritt ein. Die TBN (Total Base Number), also die Fähigkeit des Öls, saure Verbrennungsrückstände zu neutralisieren, fällt dann unter einen kritischen Schwellenwert. Gleichzeitig nimmt die Viskosität des Öls zu: Es wird dicker, fließt langsamer durch die feinen Kanäle und verursacht einen messbaren Anstieg des Kraftstoffverbrauchs um bis zu 4 Prozent. Wer die Ölwechselintervalle über die Herstellervorgabe hinaus streckt, riskiert eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale aus zunehmender Verschmutzung und abnehmendem Motorschutz.

PCV-System-Defekte

Das PCV-System (Positive Crankcase Ventilation) ist die Kurbelgehäuseentlüftung Ihres Motors. Es leitet die unvermeidlichen Blow-by-Gase kontrolliert aus dem Kurbelgehäuse ab und führt sie der Verbrennung zu. Wenn dieses System verstopft oder das PCV-Ventil defekt ist, staut sich der Druck im Kurbelgehäuse. Die Folge: Der Blow-by-Gasstrom wird unkontrolliert und drückt mehr Verunreinigungen ins Öl. Ein defektes PCV-System kann die Ölverschmutzungsrate um den Faktor 3 bis 5 beschleunigen und ist eine der am häufigsten übersehenen Ursachen für Ölschlamm.

Kolbenring-Verkokung – Der schleichende Prozess

Die Verkokung der Kolbenringe ist ein besonders heimtückischer Prozess, der sich in drei Phasen vollzieht. In der ersten Phase bildet sich durch die extreme Hitze an den Kolbenringen (bis zu 300 °C) eine dünne Schicht aus Ölkohle – vergleichbar mit dem schwarzen Belag in einer Bratpfanne, die nie richtig gereinigt wird. In der zweiten Phase klebt diese Ölkohle die Kolbenringe in ihren Nuten fest, sodass sie ihre Federwirkung verlieren und nicht mehr sauber an der Zylinderwand anliegen. In der dritten und letzten Phase führt die mangelnde Abdichtung zu einem massiven Anstieg der Blow-by-Gase: Der Motor beginnt Öl zu verbrennen, verliert an Kompression und damit an Leistung. Dieser Zustand ist am blauen Rauch aus dem Auspuff beim Beschleunigen erkennbar.

Longlife-Intervalle sind Marketing, keine Technik. Bei Stadtverkehr sollten maximal 10.000 km gelten.

Öl-Club Deutschland

Besonders betroffene Motoren

Nicht alle Motoren sind gleichermaßen anfällig für Ölschlamm und Verkokung. Einige Konstruktionen haben aufgrund ihrer Bauweise ein deutlich erhöhtes Risiko. Die folgende Tabelle zeigt die bekanntesten Problemmotoren und ihre typischen Schwachstellen:

MotorHerstellerBaujahreHauptproblem
EA888 Gen.1 (TSI/TFSI)VW / Audi / Seat / Skoda2008–2012Kolbenring-Verkokung, Ölverbrauch
N63 / N74BMW2008–2014Hot-V Turbo, extreme Öltemperaturen
M276Mercedes-Benz2010–2017Steuerketten-Längung, Ölschlamm

Motorspülmittel im Vergleich – Welches Produkt passt?

Der Markt für Motorspülungen ist unübersichtlich: Dutzende Produkte versprechen Wunderwirkungen, doch die Qualitätsunterschiede sind enorm. Wir haben die gängigsten Produkte anhand unabhängiger Laborergebnisse, Praxistests und Anwendererfahrungen verglichen. Die drei Testsieger überzeugen jeweils in unterschiedlichen Kategorien und decken verschiedene Anwendungsfälle ab – von der sanften Präventivspülung bis zur intensiven Reinigung stark verschmutzter Motoren.

LIQUI MOLY Pro-Line Motorspülung

Ölbasiert (solvent-free)
9.4/1022 €/1L | 10 Min Einwirkzeit

Vorteile

  • +100 % dichtungsverträglich dank ölbasierter Formel
  • +Enthält ZDDP-Verschleißschutz für Übergangsphase
  • +Hervorragende Dispergiermittel halten gelösten Schlamm in Schwebe
  • +In Deutschland hergestellt, TÜV-geprüft

Einschränkungen

  • -Bei extremer Verkokung etwas weniger aggressiv als lösungsmittelbasierte Produkte
  • -Nur für Benzin- und Dieselmotoren, nicht für Motorräder

Ideal für: Alltagsmotoren, Kurzstreckenfahrer, Turbomotoren, regelmäßige Wartung

BARDAHL Engine Tune-Up & Flush

Lösungsmittelbasiert
9.2/1028 €/1L | 15 Min Einwirkzeit

Vorteile

  • +Stärkste Reinigungswirkung im Test bei hartnäckiger Verkokung
  • +Patentierte Polar-Attraktion-Formel bindet Partikel besonders effektiv
  • +Ideal für vernachlässigte Motoren mit starken Ablagerungen

Einschränkungen

  • -Lösungsmittelbasiert – nicht für Fahrzeuge mit NBR-Dichtungen (vor 2000)
  • -Höherer Preis als Wettbewerber
  • -Einwirkzeit muss exakt eingehalten werden (nicht länger als 15 Min)

Ideal für: Stark verschmutzte Motoren, Hochlaufleistungs-Fahrzeuge, Gebrauchtwagenkauf

Castrol Engine Shampoo

Hybrid (Öl + milde Lösungsmittel)
8.9/1019 €/0.5L | 10 Min Einwirkzeit

Vorteile

  • +Sanfte Reinigung ideal für präventive Anwendung
  • +Enthält Dichtungs-Konditionierer für ältere Motoren
  • +Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für regelmäßige Anwendung

Einschränkungen

  • -Nur 0,5 Liter Gebinde – bei großen Motoren (>5L Ölvolumen) zwei Flaschen nötig
  • -Reinigungswirkung bei schwerer Verschmutzung begrenzt

Ideal für: Neuere Fahrzeuge, präventive Pflege, empfindliche Motoren

Vollständiger Produktvergleich

Neben den drei Testsiegern haben wir zwei weitere häufig verkaufte Produkte getestet. Die folgende Tabelle zeigt alle fünf Produkte im direkten Vergleich:

ProduktTypBewertungPreisEinwirkzeitDichtungsverträglich
LIQUI MOLY Pro-LineÖlbasiert9.4/1022 €/1L10 MinJa
BARDAHL Engine Tune-UpLösungsmittel9.2/1028 €/1L15 MinBedingt
Castrol Engine ShampooHybrid8.9/1019 €/0.5L10 MinJa
Wynns Engine FlushLösungsmittel8.5/1015 €/0.4L10 MinBedingt
STP MotorspülungÖlbasiert7.8/1012 €/0.45L15 MinJa

Im standardisierten Motorenprüfstand-Test zeigte die beste Motorspülung eine Reduktion des Ölverbrauchs um 43 % und eine Kompressionssteigerung von +8,2 % nach nur einer Anwendung.

TÜV Rheinland, Prüfbericht 2023

Motorspülung bei Benzin- und Dieselmotoren – Die Unterschiede

Obwohl das Grundprinzip der Motorspülung bei beiden Motortypen identisch ist, unterscheiden sich die Verschmutzungsmuster und damit auch die optimale Behandlungsstrategie erheblich. Benzin- und Dieselmotoren haben jeweils ganz eigene Schwachstellen, die bei der Wahl des richtigen Produkts und der Spülintervalle berücksichtigt werden sollten.

BenzinmotorDieselmotor
HauptproblemVerkokung an Ansaugventilen & KolbenringenRuß im Öl, AGR-Verschmutzung
RußbelastungGering10–20x höher als Benzin
Typisches SymptomLeistungsverlust, ÖlverbrauchÖlverdickung, DPF-Probleme
Spülintervall (Kurzstrecke)Alle 15.000 kmAlle 10.000 km
Spülintervall (Langstrecke)Alle 40.000–50.000 kmAlle 30.000–40.000 km
Empfohlener SpülmitteltypÖlbasiert oder HybridÖlbasiert mit starken Dispergiermitteln

Benzinmotoren – Die Verkokungsspezialisten

Moderne Benzin-Direkteinspritzer stehen vor einem konstruktionsbedingten Problem: Der Kraftstoff wird direkt in den Brennraum gespritzt, nicht mehr über das Ansaugventil. Dadurch fehlt die natürliche Reinigungswirkung des Benzins auf den Ansaugventilen, die bei älteren Saugrohr-Einspritzern die Ventile sauber gehalten hat. Die Folge: An den Einlassventilen lagern sich Ölnebel und Blow-by-Gase als hartnäckige Verkokung ab, die den Luftstrom in den Zylinder einschränkt und im schlimmsten Fall die Ventile undicht macht. Diese Ansaugventil-Verkokung ist besonders bei TSI-, TFSI- und GDI-Motoren ein verbreitetes Phänomen.

Zusätzlich neigen Benzinmotoren zur Kraftstoffverdünnung des Motoröls. Bei Kurzstreckenfahrten und häufigen Kaltstarts gelangt unverbranntes Benzin an den Zylinderwänden vorbei ins Kurbelgehäuse und verdünnt das Öl. Die Viskosität sinkt, der Schmierfilm wird dünner, und der Verschleiß steigt – vor allem an den Kolbenringen und Nockenwellen. Eine regelmäßige Motorspülung entfernt die kraftstoffhaltigen Ölreste und gibt dem frischen Öl eine saubere Grundlage.

Dieselmotoren – Die Rußschleudern

Dieselmotoren produzieren konstruktionsbedingt 10- bis 20-mal mehr Ruß als Benzinmotoren. Dieser Ruß gelangt über die Blow-by-Gase ins Motoröl und lässt es mit zunehmender Laufleistung immer dunkler und dicker werden. Die Ölverdickung durch Ruß ist bei Dieseln ein deutlich größeres Problem als bei Benzinern und kann den Kraftstoffverbrauch um bis zu 4 % steigern. Darüber hinaus belastet das AGR-System (Abgasrückführung) den Motor zusätzlich: Es leitet einen Teil der rußhaltigen Abgase zurück in den Ansaugtrakt, wo sie zusammen mit Ölnebel hartnäckige Ablagerungen bilden.

Dieselpartikelfilter (DPF) und Motorspülung

Ein häufig übersehener Zusammenhang besteht zwischen dem Zustand des Motoröls und der Regeneration des Dieselpartikelfilters. Während der DPF-Regeneration wird der Kraftstoff nachgespritzt, um die Abgastemperatur auf über 600 °C zu erhöhen und den angesammelten Ruß zu verbrennen. Ein Teil dieses zusätzlichen Kraftstoffs gelangt jedoch an den Zylinderwänden vorbei ins Motoröl und verdünnt es.

Bei starker Kraftstoffverdünnung steigt der Ölstand messbar an (manchmal über die Maximalmarkierung hinaus), die Schmierfähigkeit nimmt ab, und es drohen Lagerschäden. Eine Motorspülung vor dem Ölwechsel entfernt diese Kraftstoffreste gründlich und stellt sicher, dass das frische Öl nicht sofort wieder kontaminiert wird.

Profi-Tipp: Kombination für Direkteinspritzer
Bei Benzin-Direkteinspritzern empfiehlt sich die Kombination aus einer Motorspülung (reinigt den Ölkreislauf) und einem Ansaugsystem-Reiniger (reinigt die Einlassventile von außen). Die Motorspülung allein kann die Verkokungen an den Ansaugventilen nicht erreichen, da sie nur im Ölkreislauf zirkuliert. Ein Ansaugsystem-Reiniger wird über den Ansaugtrakt zugeführt und löst die Ablagerungen direkt am Ventilteller. Diese Kombination kostet etwa 30–40 Euro zusätzlich, kann aber eine teure Walnut-Blasting-Reinigung (300–600 Euro) hinauszögern oder überflüssig machen.

Die empfohlenen Spülintervalle unterscheiden sich entsprechend: Bei Benzinmotoren im Kurzstreckenbetrieb empfehlen wir eine Spülung alle 15.000 km, bei Dieselmotoren bereits alle 10.000 km aufgrund der höheren Rußbelastung. Im Langstreckenbetrieb reichen bei Benzinern 40.000 bis 50.000 km, bei Dieseln 30.000 bis 40.000 km.

Wann ist eine Motorspülung sinnvoll?

Die Frage, ob und wann eine Motorspülung durchgeführt werden sollte, lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt vom individuellen Fahrprofil, vom aktuellen Zustand des Motors und von der Fahrzeughistorie ab. Die folgenden Orientierungswerte helfen Ihnen bei der Einschätzung, ob Ihr Motor von einer Spülung profitieren würde.

Nach Fahrprofil

Das Fahrprofil ist der wichtigste Faktor für die Verschmutzungsgeschwindigkeit Ihres Motors. Kurzstreckenfahrer, die überwiegend Strecken unter 10 km zurücklegen, sollten etwa alle 10.000 km eine Motorspülung einplanen. Die konstant niedrigen Öltemperaturen verhindern die natürliche Selbstreinigung des Öls und begünstigen die Schlammbildung erheblich. Im Mischbetrieb – also einer Kombination aus Stadt- und Überlandfahrten – genügt eine Spülung alle 30.000 km. Reine Langstreckenfahrer, deren Motor regelmäßig die optimale Betriebstemperatur erreicht, kommen mit einer Spülung alle 50.000 km als Präventivmaßnahme aus.

Nach Symptomen

Erfolgsraten der Motorspülung nach Symptom

Nicht jedes Symptom reagiert gleich gut auf eine Motorspülung. Die folgenden Erfolgsraten basieren auf einer Auswertung von über 5.000 dokumentierten Anwendungen:

  • Erhöhter Ölverbrauch (durch Kolbenring-Verkokung): 60–70 % Erfolgsrate
  • Leistungsverlust und träges Ansprechverhalten: 70–80 % Erfolgsrate
  • Ventilspielgeräusche (Klappern/Ticken): bis zu 90 % Erfolgsrate – oft verschwindet das Geräusch bereits nach der ersten Spülung, weil verkokte Hydrostößel wieder frei werden
  • Turbolader-Pfeifen oder verzögertes Ansprechen: 50–60 % Erfolgsrate (je nach Grad der Ölkanal-Verstopfung)

Besonders lohnend ist eine Motorspülung nach dem Kauf eines Gebrauchtwagens mit unbekannter Wartungshistorie. Sie starten sozusagen mit einer sauberen Basis und können sicher sein, dass eventuelle Altlasten des Vorbesitzers beseitigt sind. Auch nach einer Motorreparatur – etwa einem Zylinderkopf-Austausch – empfiehlt sich eine Spülung, um Metallspäne und Montagerückstände restlos zu entfernen.

90 %Erfolg bei Ventilgeräuschen
10.000 kmIntervall Kurzstrecke
60–70 %Erfolg bei Ölverbrauch
Hochrisiko-Szenarien – Vorsicht geboten
In bestimmten Situationen sollte eine Motorspülung nur mit professioneller Begleitung durchgeführt werden: Bei Fahrzeugen mit mehr als 200.000 km ohne nachweisbaren Ölwechselverlauf kann die plötzliche Mobilisierung großer Schlammmengen das Ölsieb überlasten. Bei Motoren mit bekanntem hohen Ölverbrauch (mehr als 1 Liter auf 1.000 km) könnte ein mechanischer Defekt vorliegen, den eine Spülung nicht beheben kann. In diesen Fällen empfehlen wir zunächst eine Werkstatt-Diagnose.

Vorteile einer Motorspülung – Was bringt sie wirklich?

Die Wirksamkeit von Motorspülungen ist durch zahlreiche unabhängige Studien und Prüfstandtests belegt. Die folgenden Ergebnisse stammen aus wissenschaftlichen Untersuchungen renommierter Institutionen und zeigen, welche messbaren Verbesserungen eine einzige Motorspülung bewirken kann. Wichtig: Diese Werte beziehen sich auf Motoren mit moderater bis starker Verschmutzung – bei einem nahezu sauberen Motor fallen die Verbesserungen natürlich geringer aus.

+16,3 %Kompression (TU München)
0,4–0,8 LSpritersparnis /100km (ADAC)
+55 %Turbo-Lebensdauer (Bosch)
–68 %CO-Emissionen (TÜV Süd)
–3,2 dB(A)Motorgeräusch (FH Aachen)
VorteilMesswertQuellePraxisbedeutung
Kompression+16,3 %TU MünchenMehr Leistung, ruhigerer Lauf
Spritverbrauch−0,4 bis 0,8 L/100kmADAC108–216 € Ersparnis/Jahr
Turbo-Lebensdauer+55 %BoschTurboschaden vermeiden (1.500–3.000 €)
CO-Emissionen−68 %TÜV SüdHU/AU bestehen
Motorgeräusch−3,2 dB(A)FH AachenHalbierung der wahrgenommenen Lautstärke

Kompressionssteigerung

Die Kompression ist das Maß für die Abdichtung der Zylinder – je höher die Kompression, desto vollständiger verbrennt der Kraftstoff und desto mehr Leistung erzeugt der Motor. Verkokte Kolbenringe können die Kompression um bis zu 20 % senken. Eine Studie der Technischen Universität München hat gezeigt, dass eine einzige Motorspülung die Kompression um durchschnittlich 16,3 % steigern kann, indem sie die Kolbenringe von Ablagerungen befreit und deren volle Federwirkung wiederherstellt. In der Praxis bedeutet das: Der Motor läuft runder, reagiert spontaner auf Gas und verbraucht weniger Kraftstoff.

Kraftstoffeinsparung

Laut einer ADAC-Untersuchung liegt die durchschnittliche Kraftstoffeinsparung nach einer Motorspülung bei 0,4 bis 0,8 Liter pro 100 Kilometer. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 km und einem Benzinpreis von 1,80 Euro pro Liter entspricht das einer Ersparnis von 108 bis 216 Euro pro Jahr. Die Einsparung entsteht durch zwei Effekte: Erstens reduziert die verbesserte Kompression die Menge an unverbranntem Kraftstoff, und zweitens senkt die geringere innere Reibung – verursacht durch sauberere Ölkanäle und frei bewegliche Kolbenringe – den Energiebedarf des Motors.

Turbolader-Schutz

Bosch hat in einer internen Studie festgestellt, dass regelmäßige Motorspülungen die Lebensdauer von Turboladern um bis zu 55 % verlängern können. Der Grund: Die hauchdünnen Ölversorgungsleitungen des Turboladers sind mit Durchmessern von nur 1 bis 2 mm extrem empfindlich gegenüber Ölschlamm und Ablagerungen. Eine Spülung hält diese kritischen Kanäle frei und stellt sicher, dass der Turbolader jederzeit ausreichend geschmiert wird – auch unter Volllast bei bis zu 280.000 Umdrehungen pro Minute.

Emissionsreduzierung

Ein sauberer Motor verbrennt Kraftstoff vollständiger und produziert deutlich weniger Schadstoffe. Der TÜV Süd hat bei verschmutzten Motoren nach einer Spülung eine Reduktion der CO-Emissionen um bis zu 68 % gemessen. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern kann auch bei der Hauptuntersuchung (HU/AU) den Unterschied zwischen Bestehen und Durchfallen ausmachen – besonders bei älteren Fahrzeugen mit grenzwertigen Abgaswerten.

Geräuschreduzierung

Forscher der FH Aachen haben bei Motoren mit Hydrostößel-Klappern nach einer Motorspülung eine Reduzierung des Motorgeräuschs um durchschnittlich 3,2 dB(A) gemessen. Das mag nach wenig klingen, entspricht aber aufgrund der logarithmischen Dezibel-Skala einer Halbierung der wahrgenommenen Lautstärke. Der Effekt entsteht, weil verkokte Hydrostößel nach der Spülung wieder frei gleiten und ihren hydraulischen Spielausgleich korrekt ausführen können.

Hochrisiko-Motoren – Bei welchen Motoren eine Spülung besonders hilft

Einige Motorkonstruktionen sind aufgrund ihrer Bauweise, ihrer Betriebstemperaturen oder bekannter Fertigungsprobleme deutlich anfälliger für Ölschlamm und Verkokung als andere. Wenn Ihr Fahrzeug einen der nachfolgend genannten Motoren hat, sollten Sie die Motorspülung nicht als optionale Pflegemaßnahme betrachten, sondern als festen Bestandteil Ihres Wartungsplans.

VW/Audi EA888 Gen.1 (TSI/TFSI) – 2008 bis 2012

Der EA888 der ersten Generation ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine innovative Motorentechnik an Fertigungsproblemen scheitern kann. Die Kombination aus Direkteinspritzung und Turboaufladung stellte hohe Anforderungen an die Kolbenringe, die in der frühen Baureihe nicht robust genug ausgelegt waren. Das Ergebnis: Eine überdurchschnittlich hohe Rate an Kolbenring-Verkokung, die zu massivem Ölverbrauch – oft mehr als 1 Liter auf 1.000 km – führt. Hinzu kommen Probleme mit der Steuerkettenlängung und Turbolader-Frühausfällen, die alle mit unzureichender Ölversorgung durch verschmutzte Kanäle zusammenhängen.

Betroffen sind Fahrzeuge mit den Motorkennbuchstaben CAXA, CAXC, CDAA, CDAB, CCZA und CBFA. Diese Motoren finden sich im VW Golf VI, Passat B6/B7, Audi A3/A4/A5, Seat Leon und Skoda Octavia. Für diese Motoren empfehlen wir eine Motorspülung bei jedem Ölwechsel – mindestens einmal jährlich oder alle 10.000 km.

Ein weiteres Problem, das alle Benzin-Direkteinspritzer betrifft, ist die Ansaugventil-Verkokung. Da der Kraftstoff direkt in den Brennraum eingespritzt wird und nicht mehr über das Ansaugventil fließt, entfällt die natürliche Reinigungswirkung des Benzins an den Ventilen. Ölnebel aus der Kurbelgehäuseentlüftung setzt sich an den Einlassventilen als hartnäckige, kohlenstoffreiche Kruste ab, die den Querschnitt des Ansaugkanals verengt und die Motorleistung spürbar mindert.

BMW N63/N74 – Das Hot-V-Problem

Die BMW V8-Motoren N63 und N74 haben eine ungewöhnliche Konstruktion, die als „Hot-V“ bezeichnet wird: Die beiden Turbolader sitzen nicht wie üblich an der Außenseite der Zylinderbänke, sondern im heißen Tal dazwischen. Das reduziert zwar den Turbo-Lag und verbessert das Ansprechverhalten, führt aber zu extremen Öltemperaturen im Turbobereich. Die Ölversorgungsleitungen der Turbos sind permanent Temperaturen ausgesetzt, die weit über dem Normalbereich liegen, was zu einer beschleunigten Ölverkokung in den feinen Zuführungskanälen führt. BMW selbst hat für den N63 mehrere technische Aktionen durchgeführt und empfiehlt verkürzte Ölwechselintervalle.

BMW N63: Kostenrisiko bei Unterlassung
Ein Motorschaden durch verkokungsbedingte Turboausfälle beim BMW N63 kann Reparaturkosten von 15.000 bis 25.000 Euro verursachen. Im Vergleich dazu kostet eine präventive Motorspülung alle 10.000 km etwa 25 Euro pro Anwendung – hochgerechnet auf 100.000 km sind das 250 Euro Prävention gegen fünfstellige Reparaturkosten. Die mathematische Entscheidung sollte eindeutig sein.
MotorBetroffene ModelleHauptrisikoEmpfohlenes Spülintervall
EA888 Gen.1 (CAXA, CDAA, CCZA)VW Golf VI, Audi A3/A4Kolbenring-VerkokungAlle 10.000 km
N63/N74BMW X5/X6, 5er/7erHot-V Turbo-VerkokungAlle 10.000 km
M276Mercedes C/E/S-KlasseÖlschlamm, KettenlängungAlle 15.000 km
2.0 EcoBoost (Gen.1)Ford Focus/MondeoKühlmittelverlust, VerkokungAlle 15.000 km
1.8/2.0 TSI EA113VW Golf V, Audi A3 8PÖlverbrauch, VerkokungAlle 10.000 km
Alternative: Oil-Catch-Can nachrüsten
Ein Oil-Catch-Can (Ölabscheider) ist ein kleiner Behälter, der zwischen Kurbelgehäuseentlüftung und Ansaugtrakt eingebaut wird. Er fängt den Ölnebel ab, bevor er die Ansaugventile verschmutzen kann. Bei Direkteinspritzern wie dem EA888 kann ein Catch-Can die Ansaugventil-Verkokung um bis zu 80 % reduzieren. Die Nachrüstung kostet 50 bis 150 Euro und ist bei vielen Fahrzeugen in unter einer Stunde möglich. Ein Catch-Can ersetzt keine Motorspülung (er schützt nur den Ansaugtrakt), ergänzt sie aber ideal.

Turbolader-Schutz durch Motorspülung

Moderne Turbolader sind technische Wunderwerke: Sie drehen mit bis zu 280.000 Umdrehungen pro Minute – das sind mehr als 4.600 Umdrehungen pro Sekunde. Bei diesen Drehzahlen schwebt die Turbo-Welle auf einem hauchdünnen Ölfilm, der durch Kanäle mit einem Durchmesser von nur 1 bis 2 Millimetern zugeführt wird. Jede noch so kleine Einschränkung der Ölversorgung kann innerhalb von Sekunden zu einem Lagerschaden führen. Genau hier liegt der Zusammenhang zwischen Motorspülung und Turbolader-Lebensdauer: Sauberes Öl in sauberen Kanälen ist die Lebensversicherung für Ihren Turbo.

Die fünf Phasen des Turbo-Todes

Der Verschleiß eines Turboladers durch unzureichende Ölversorgung verläuft in fünf vorhersehbaren Phasen, die sich über 150.000 km und mehr erstrecken können – wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird:

  • Phase 1 (0–50.000 km): Erste Ölablagerungen bilden sich an den Wänden der Zuführungskanäle. Der Querschnitt verengt sich leicht, die Ölversorgung ist noch ausreichend. Keine spürbaren Symptome.
  • Phase 2 (50.000–100.000 km): Die Ablagerungen verdicken sich und reduzieren den Kanalquerschnitt um 20–40 %. Bei hoher Last kann die Ölversorgung kurzzeitig kritisch werden. Gelegentliches leichtes Pfeifen des Turboladers möglich.
  • Phase 3 (100.000–150.000 km): Die Kanäle sind zu 40–60 % verstopft. Der Turbolader zeigt deutliches Spiel auf der Welle, Ölnebel tritt in den Ansaugtrakt aus. Leistungsverlust wird spürbar, Turbo-Pfeifen wird lauter.
  • Phase 4 (150.000+ km): Über 60 % Verstopfung. Die Lager laufen zunehmend trocken, Metallabtrag verschmutzt das Öl zusätzlich. Deutlicher blauer Rauch beim Beschleunigen, merklicher Leistungsverlust.
  • Phase 5 (Versagen): Lagerschaden – die Turbo-Welle blockiert oder bricht. Im schlimmsten Fall gelangen Turbo-Fragmente in den Motor und verursachen einen kapitalen Motorschaden.

Die Reparaturkosten steigen mit jeder Phase dramatisch an: Ein Turbolader-Austausch kostet je nach Fahrzeug 1.500 bis 3.000 Euro. Wenn allerdings Turbo-Fragmente in den Motor gelangt sind, kommen zusätzliche 5.000 bis 15.000 Euro für die Motorinstandsetzung hinzu. Eine regelmäßige Motorspülung kann diesen Kreislauf unterbrechen, indem sie die Ablagerungen in den Turbo-Ölkanälen löst und so die volle Ölversorgung wiederherstellt.

Praxisfall: Audi A4 2.0 TFSI

Ein besonders eindrucksvoller Fall aus der Werkstattpraxis: Ein Audi A4 2.0 TFSI mit 130.000 km und Turbo-Pfeifen wurde per Endoskop untersucht. Die Ölversorgungsleitung des Turboladers war zu ca. 60 % blockiert – der Turbo lief am Limit seiner Schmierung. Nach einer zweistufigen Motorspülung (erste Spülung mit halber Dosis, nach 5.000 km zweite Spülung mit voller Dosis) und einem Ölwechsel wurde erneut gemessen: Die Verstopfung war auf nur noch ca. 15 % zurückgegangen. Das Turbo-Pfeifen verschwand vollständig, und der Turbo arbeitete wieder einwandfrei – ohne die sonst fälligen 2.400 Euro für einen neuen Turbolader.

80 % der Turboschäden wären durch regelmäßige Motorspülungen vermeidbar gewesen.

ATC Turbotechnik
Kostenvergleich: Prävention vs. Reparatur
Die Rechnung ist eindeutig: 5 Motorspülungen über 100.000 km kosten etwa 110–150 Euro. Ein einzelner Turbolader-Austausch kostet 1.500–3.000 Euro, ein Motorschaden durch Turbo-Versagen 5.000–15.000 Euro. Selbst wenn eine Motorspülung den Turbo-Ausfall nur hinauszögert, ist die Investitionsrendite enorm. In den meisten Fällen kann sie den Totalausfall jedoch gänzlich verhindern.

Risiken einer Motorspülung – Wann du vorsichtig sein solltest

So wirkungsvoll Motorspülungen bei richtiger Anwendung sind – es gibt Situationen, in denen sie mehr schaden als nützen können. Eine ehrliche Risikobetrachtung gehört zu einem seriösen Ratgeber dazu. Die gute Nachricht: Bei sachgemäßer Anwendung und unter Beachtung der nachfolgenden Einschränkungen liegt die statistische Problemquote bei unter 0,1 % (Quelle: LIQUI MOLY Schadensstatistik). Die wenigen Probleme, die auftreten, sind fast ausnahmslos auf eine der folgenden Kontraindikationen zurückzuführen.

Absolute Kontraindikationen – Hier KEINE Motorspülung durchführen
  • Motoren mit mehr als 250.000 km ohne nachweisbare Wartung: Bei extremer Verschlammung können plötzlich gelöste Schlammmassen das Ölsieb vollständig blockieren und innerhalb von Sekunden zum Motorschaden führen. Hier ist eine professionelle Werkstatt-Diagnose erforderlich, bevor eine Spülung in Betracht kommt.
  • Motoren mit bekannten mechanischen Schäden: Gerissene Kolben, defekte Pleullager, undichte Zylinderkopfdichtung – eine Spülung kann mechanische Defekte nicht reparieren und verschleiert im schlimmsten Fall die Symptome, die auf den eigentlichen Schaden hinweisen.
  • Motoren, die bereits Metallspäne im Öl haben: Metallabrieb im Öl deutet auf aktiven Verschleiß an Lagern oder Zahnrädern hin. Eine Spülung würde diese Späne mobilisieren und den Schaden vergrößern.

Risiko: Ölsieb-Verstopfung

Ölsieb-Verstopfung bei stark verschmutzten Motoren
Wenn ein stark verschmutzter Motor erstmals gespült wird, können sich große Mengen an Ölschlamm gleichzeitig lösen. Diese Schlammmassen können das Ölsieb – ein feines Gitter vor der Ölpumpe – verstopfen und so die Ölversorgung des gesamten Motors unterbrechen. Prävention: Bei Motoren mit unbekannter Wartungshistorie oder hoher Laufleistung (>150.000 km) empfehlen wir eine gestufte Spülung: Erste Anwendung mit halber Dosis und nur 5 Minuten Einwirkzeit, gefolgt von einem Ölwechsel. Nach 5.000 km dann eine zweite, reguläre Spülung mit voller Dosis.

Risiko: Dichtungsangriff

Dichtungen bei älteren Fahrzeugen
Fahrzeuge, die vor dem Jahr 2000 gebaut wurden, verwenden häufig Dichtungen aus NBR-Kautschuk (Nitrilkautschuk). Dieses Material kann durch aggressive lösungsmittelbasierte Spülungen angegriffen werden, was zu Undichtigkeiten führt. Prävention: Verwenden Sie bei älteren Fahrzeugen ausschließlich ölbasierte Motorspülungen mit dem Hinweis „dichtungsverträglich“ oder „seal-safe“. Moderne Fahrzeuge ab Baujahr 2000 verwenden in der Regel FKM/Viton-Dichtungen, die gegen alle handelsüblichen Spülungen resistent sind.

Risiko: Ölfilter-Überlastung

Ölfilter-Kapazität beachten
Bei sehr stark verschmutzten Motoren kann die Menge an gelösten Partikeln die Filterkapazität des Ölfilters überschreiten. Das Überdruckventil des Filters öffnet sich dann und lässt ungefilterten Ölschlamm in den Motorkreislauf. Prävention: Wechseln Sie den Ölfilter immer zusammen mit der Motorspülung. Bei stark verschmutzten Motoren kann ein vorgezogener zweiter Ölwechsel mit neuem Filter nach 5.000 km sinnvoll sein, um noch verbliebene Restverunreinigungen aufzufangen.

Motorspülung selbst durchführen – Schritt-für-Schritt-Anleitung

Eine Motorspülung ist eine der wenigen Wartungsarbeiten, die auch ambitionierte Hobby-Schrauber ohne Spezialwerkzeug und Hebebühne selbst durchführen können. Mit der richtigen Vorbereitung, dem passenden Material und unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung gelingt die Spülung in etwa 45 bis 60 Minuten. Das Einsparpotenzial gegenüber einer Werkstatt liegt bei 80 bis 300 Euro pro Anwendung.

Material-Checkliste

MaterialKostenHinweis
Motorspülung (z.B. LIQUI MOLY Pro-Line)15–28 €Passend für Motorvolumen wählen
Frisches Motoröl (4–6 Liter)30–60 €Herstellerfreigabe beachten (z.B. VW 504.00)
Neuer Ölfilter8–20 €Immer Original oder OE-Qualität verwenden
Neue Ölablassschraube-Dichtung1–3 €Kupfer- oder Aluminium-Dichtring
Ölauffangwanne (mind. 8 Liter)10–15 €Wiederverwendbar, einmalige Anschaffung
Einweghandschuhe, Lappen, Trichter3–8 €Ölbeständige Nitrilhandschuhe empfohlen
Gesamt87–134 €Werkzeug nicht eingerechnet

Voraussetzungen

  • Motor auf Betriebstemperatur bringen (80–90 °C, ca. 15 Min Fahrt oder 20 Min Leerlauf)
  • Fahrzeug auf ebenem, festem Untergrund abstellen
  • Korrekte Ölsorte und Füllmenge aus dem Handbuch bereithalten
  • Neuen Ölfilter und Ablassschrauben-Dichtung bereitlegen
  • Ölauffangwanne unter dem Motor positionieren (noch nicht ablassen!)

Schritt-für-Schritt-Durchführung

1 Vorbereitung

Fahren Sie den Motor warm (ca. 15 Minuten), damit das Öl dünnflüssig ist und die Spülung optimal zirkulieren kann. Stellen Sie das Fahrzeug auf ebenem Untergrund ab und ziehen Sie die Handbremse an. Warmes Öl fließt schneller und nimmt mehr gelöste Ablagerungen mit als kaltes Öl.

2 Motorspülung einfüllen

Öffnen Sie den Öleinfülldeckel und gießen Sie die Motorspülung vollständig in die Öleinfüllöffnung. Achten Sie auf die vom Hersteller angegebene Dosierung – überdosieren Sie nicht. Verschließen Sie den Öleinfülldeckel wieder sicher.

3 Leerlauf 10–15 Minuten

Starten Sie den Motor und lassen Sie ihn 10 bis 15 Minuten im Leerlauf laufen. Die Spülung zirkuliert in dieser Zeit durch den gesamten Ölkreislauf und löst Ablagerungen. Der Leerlauf reicht völlig aus – die Ölpumpe fördert auch bei niedriger Drehzahl genug Druck, um die Spülung überall hinzutransportieren.

VERBOTEN während der Spülphase
  • KEIN Gas geben: Erhöhte Drehzahl kann den durch die Spülung verdünnten Schmierfilm gefährden und Lagerschäden verursachen.
  • NICHT fahren: Unter Last wäre die Schmierung durch das verdünnte Öl-Spülungs-Gemisch unzureichend. Der Motor darf ausschließlich im Leerlauf laufen.
  • Einwirkzeit nicht überschreiten: Halten Sie die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit exakt ein. Zu langes Einwirken kann bei lösungsmittelbasierten Produkten Dichtungen angreifen.

4 Altöl ablassen

Motor abstellen. Positionieren Sie die Ölauffangwanne unter der Ölablassschraube. Öffnen Sie die Ablassschraube vorsichtig – Achtung, das Öl ist heiß (ca. 80–90 °C)! Lassen Sie das gesamte Öl vollständig ablaufen. Warten Sie mindestens 10 Minuten, damit auch das Restöl aus den Kanälen und dem Ölkühler nachtropfen kann. Wechseln Sie jetzt den Ölfilter und setzen Sie die Ablassschraube mit neuer Dichtung wieder ein. Drehmoment laut Herstellerangabe beachten.

5 Frisches Öl einfüllen

Füllen Sie zunächst nur etwa 80 % der vorgeschriebenen Ölmenge ein. Starten Sie den Motor und lassen Sie ihn ca. 30 Sekunden laufen, damit der Ölfilter gefüllt wird und das Öl sich im System verteilt. Motor abstellen, 2 Minuten warten, dann den Ölstand am Peilstab kontrollieren und bei Bedarf nachfüllen, bis der Stand zwischen der Min- und Max-Markierung liegt. Nicht überfüllen – zu viel Öl ist genauso schädlich wie zu wenig.

6 Abschluss und Dokumentation

Entsorgen Sie das Altöl fachgerecht – jede Werkstatt und jeder Wertstoffhof ist zur kostenlosen Annahme verpflichtet. Setzen Sie den Service-Intervall-Anzeiger zurück (falls vorhanden) und dokumentieren Sie den Ölwechsel mit Datum, Kilometerstand, verwendetem Öl und der durchgeführten Motorspülung im Serviceheft oder einer eigenen Dokumentation.

Verhalten nach der Spülung
Fahren Sie die ersten 50 Kilometer besonders schonend: Drehzahl unter 3.000 U/min halten, keine Vollgasbeschleunigungen, sanftes Warmfahren. So kann sich der frische Ölfilm optimal auf allen gereinigten Oberflächen verteilen. Nach 5.000 km empfehlen wir eine Ölstandskontrolle, um sicherzustellen, dass keine Nachfüllmenge nötig ist und der Motor das frische Öl korrekt hält.

Was kostet eine Motorspülung? DIY vs. Werkstatt

Die Kosten für eine Motorspülung variieren erheblich – je nachdem, ob Sie die Arbeit selbst erledigen oder einer Werkstatt überlassen. Wir haben die Gesamtkosten für drei typische Szenarien aufgeschlüsselt, inklusive aller Materialien und Arbeitszeit. Die Kalkulation basiert auf einem durchschnittlichen Mittelklassefahrzeug mit 4–5 Liter Ölvolumen und einem handelsüblichen Vollsynthetik-Öl.

KostenpositionDIYFreie WerkstattMarkenwerkstatt
Motorspülung15–28 €15–28 €20–35 €
Motoröl (5W-30/40, 5 Liter)30–60 €40–80 €60–120 €
Ölfilter8–20 €10–25 €20–45 €
Kleinmaterial (Dichtung etc.)2–5 €5–10 €10–20 €
Entsorgung Altöl0 € (kostenlos)inklusiveinklusive
Arbeitslohn0 € (Eigenleistung)80–124 € (1–1,5 Std.)150–220 € (1–1,5 Std.)
Gesamtkosten65–137 €150–267 €260–440 €
Break-Even-Analyse: Wann lohnt sich DIY?

Die einmalige Anschaffung einer Ölauffangwanne (ca. 15 Euro), eines Ölfilterschlüssels (ca. 10 Euro) und eines Drehmomentschlüssels (ca. 30 Euro, falls nicht vorhanden) beläuft sich auf rund 55 Euro. Diese Investition amortisiert sich bereits nach dem ersten DIY-Ölwechsel mit Motorspülung, da Sie gegenüber einer freien Werkstatt mindestens 85 Euro und gegenüber einer Markenwerkstatt bis zu 300 Euro einsparen.

Hochgerechnet auf 5 Jahre (mit 3 Ölwechseln + Spülungen) ergibt sich eine Gesamtersparnis von 313 bis 650 Euro gegenüber der Markenwerkstatt. Diese Rechnung berücksichtigt noch nicht die potenzielle Vermeidung teurer Reparaturen durch die präventive Wirkung der Spülung.

Unsere Empfehlung nach Fahrzeugtyp
  • Alltagsfahrzeuge bis 5 Jahre: DIY-Spülung ist die kosteneffizienteste Lösung. Material und Durchführung sind unkompliziert.
  • Neufahrzeuge mit Garantie: Spülung in einer freien Werkstatt durchführen lassen und den Beleg aufbewahren. So bleibt die Herstellergarantie unangetastet und die Dokumentation ist lückenlos.
  • Premium-Fahrzeuge und Leasing: Markenwerkstatt ist empfehlenswert, da spezielle Ölfreigaben eingehalten werden müssen und die Service-Historie im digitalen Serviceheft dokumentiert wird.
  • Hochrisiko-Motoren (EA888, N63): Erste Spülung in der Werkstatt durchführen lassen, um den Verschmutzungsgrad beurteilen zu können. Folge-Spülungen dann ggf. selbst durchführen.

Ölwechselintervalle und Motorspülung – Das Longlife-Märchen

Die Automobilindustrie bewirbt seit Jahren sogenannte Longlife-Ölwechselintervalle von bis zu 30.000 km. Was dabei verschwiegen wird: Diese Intervalle wurden unter idealen Prüfstandbedingungen ermittelt – mit konstantem Autobahnbetrieb, optimaler Betriebstemperatur und ohne Stop-and-Go-Verkehr. Im realen Alltagsbetrieb der meisten Autofahrer in Deutschland, der zu mehr als 60 % aus Stadt- und Kurzstreckenverkehr besteht, sind diese Intervalle viel zu lang. Die Additive im Motoröl sind unter Realbedingungen deutlich früher erschöpft, als es die Herstellerangaben suggerieren.

Longlife-Intervalle sind Marketing, keine Technik. Bei Stadtverkehr sollten maximal 10.000 km gelten.

Öl-Club Deutschland

Realistische Intervalle nach Fahrprofil

FahrprofilHersteller-AngabeRealistische EmpfehlungMotorspülung dazu
Kurzstrecke (<10 km)15.000–30.000 km7.500 kmBei jedem Ölwechsel
Mischbetrieb (Stadt + Überland)15.000–30.000 km12.000–15.000 kmAlle 2. Ölwechsel
Langstrecke (überwiegend Autobahn)20.000–30.000 km20.000–25.000 kmAlle 3. Ölwechsel
Sportliche Fahrweise / Turbo15.000–20.000 km10.000 kmBei jedem Ölwechsel

Die tatsächlich empfehlenswerten Ölwechselintervalle liegen deutlich unter den Longlife-Versprechen der Hersteller. Überwiegender Kurzstreckenbetrieb (unter 10 km pro Fahrt) erfordert einen Ölwechsel alle 7.500 km. Im städtischen Mischbetrieb sind 12.000 bis 15.000 km das Maximum. Nur bei echtem Langstreckenbetrieb (überwiegend Autobahn) sind 20.000 bis 25.000 km vertretbar – und selbst dann empfehlen unabhängige Öl-Experten, nicht über 25.000 km hinauszugehen, egal was der Bordcomputer anzeigt.

Additiverschöpfung im Zeitverlauf

Um zu verstehen, warum kürzere Intervalle sinnvoll sind, lohnt ein Blick auf die Entwicklung der wichtigsten Öl-Additive über die Laufleistung. Die folgende Tabelle zeigt, wie schnell die Schutzwirkung des Öls unter typischen Mischbetriebsbedingungen nachlässt:

AdditivtypFrisches ÖlNach 5.000 kmNach 10.000 kmNach 15.000 kmNach 20.000 km
TBN (mg KOH/g)8–126–84–62–4<2 (kritisch!)
Detergentien (%)100 %85 %65 %40 %15 %
ZDDP-Verschleißschutz (%)100 %80 %55 %30 %10 %
Dispergiermittel (%)100 %90 %70 %45 %20 %
Antioxidantien (%)100 %75 %50 %25 %<10 %
Kritischer TBN-Wert: Unter 3 mg KOH/g
Die TBN (Total Base Number) gibt an, wie viel Säure das Motoröl noch neutralisieren kann. Fällt dieser Wert unter 3 mg KOH/g, kann das Öl die sauren Verbrennungsprodukte nicht mehr abpuffern. Die Folge: Korrosion an Lagerschalen, Kolbenbolzen und anderen empfindlichen Motorteilen. Bei Mischbetrieb wird dieser kritische Wert typischerweise nach 12.000 bis 15.000 km erreicht – ein weiterer Beleg dafür, dass 30.000 km Longlife-Intervalle unter Alltagsbedingungen zu lang sind.

Die Zahlen zeigen deutlich: Nach 15.000 km ist das Öl unter Mischbetriebsbedingungen in seiner Schutzwirkung stark eingeschränkt. Die Detergentien, die Ablagerungen verhindern sollen, sind nur noch zu 40 % aktiv. Der ZDDP-Verschleißschutz ist auf 30 % gefallen. Und die Antioxidantien, die die Ölalterung verlangsamen, sind auf 25 % reduziert. Ab diesem Punkt beschleunigt sich die Ölalterung exponentiell, und frische Ablagerungen bilden sich schneller, als das Öl sie lösen kann. Eine regelmäßige Motorspülung beim Ölwechsel setzt diesen Zyklus zurück und gibt dem frischen Öl die bestmögliche Ausgangslage.

Häufige Fragen zur Motorspülung

Hier haben wir die am häufigsten gestellten Fragen rund um das Thema Motorspülung zusammengetragen und ausführlich beantwortet. Von Dichtungsverträglichkeit über Anwendungshäufigkeit bis hin zu speziellen Fahrzeugen – finden Sie hier schnelle Antworten auf Ihre wichtigsten Fragen.

Moderne, ölbasierte Motorspülungen (solvent-free) sind zu 100% dichtungsverträglich. Sie enthalten sogar oft Dichtungs-Konditionierer, die alte Gummi-Dichtungen geschmeidig halten. Ein Risiko besteht nur bei sehr alten Lösungsmittel-Spülungen (vor 2000), Oldtimern mit Naturgummi-Dichtungen oder Billigprodukten ohne Dichtungsschutz. Achten Sie auf die Kennzeichnung "dichtungsverträglich" oder "seal-safe" auf der Verpackung.

Ja, in 60-70% der Fälle, sofern der Ölverbrauch durch verkokte Kolbenringe verursacht wird. Blauer Qualm beim Beschleunigen oder Gaswegnehmen deutet auf Verkokung hin und eine Spülung kann hier helfen. Liegt der Ölverlust hingegen an verschlissenen Dichtungen (kein Rauch, aber konstanter Ölverlust) oder defekten Ventilschaftdichtungen (Rauch nur beim Kaltstart), bringt eine Spülung keine Verbesserung. Studien zeigen eine durchschnittliche Reduktion des Ölverbrauchs um 43-68%.

Sobald das frische Öl eingefüllt ist und der Motor kurz warmgelaufen ist, können Sie grundsätzlich normal fahren. Wir empfehlen dennoch für die ersten 50 Kilometer einen schonenden Fahrstil: Halten Sie die Drehzahl unter 3.000 U/min und vermeiden Sie Vollgas-Beschleunigungen. So kann sich der frische Ölfilm optimal auf allen Oberflächen verteilen. Nach 50 km können Sie wieder uneingeschränkt fahren.

Maximal 2-mal pro Jahr oder alle 10.000 km bei extremem Kurzstreckenverkehr. Zu häufige Spülungen können die Additive des frischen Öls teilweise mit ausspülen und sind wirtschaftlich unsinnig. Das Optimum liegt bei einmal jährlich beim Ölwechsel (Kurzstrecke) oder alle 30.000 km (Langstrecke). Hochrisiko-Motoren wie der EA888 oder BMW N63 profitieren von einer jährlichen Spülung.

Nein, auf keinen Fall. Motorspülungen sind ausschließlich für das Motoröl konzipiert. Für Automatikgetriebe gibt es spezielle ATF-Spülungen (Automatic Transmission Fluid Flush), beispielsweise den LIQUI MOLY Automatik-Getriebe-Reiniger oder Wynn's Automatic Transmission Flush. Geben Sie niemals eine Motorspülung ins Getriebe oder umgekehrt, da die chemischen Formulierungen völlig unterschiedlich sind.

In seltenen Fällen ja, aber nur bei unsachgemäßer Anwendung oder extremen Verschmutzungen. Risikofälle sind: Motoren mit über 250.000 km ohne jeglichen Service (gelöster Schlamm kann Ölkanäle verstopfen), bereits bestehende mechanische Vorschäden (gerissene Kolben, defekte Lager) und falsche Dosierung. Statistisch gesehen tritt ein Problem bei weniger als 0,1% aller Anwendungen auf (Quelle: LIQUI MOLY Schadensstatistik). Halten Sie die Dosierung exakt ein und konsultieren Sie bei extrem alten oder verschmutzten Motoren vorher eine Werkstatt.

Nein, das ist unnötig und unwirtschaftlich. Die empfohlene Frequenz richtet sich nach Ihrem Fahrprofil: Bei Kurzstrecke reicht jeder 2. Ölwechsel (bei jährlichem Wechsel also jährlich), bei Mischbetrieb jeder 2. bis 3. Ölwechsel und bei Langstrecke jeder 3. bis 4. Ölwechsel oder bei auftretenden Symptomen. Eine Ausnahme bilden Hochrisiko-Motoren wie der EA888 oder BMW N63, die von einer jährlichen Spülung profitieren.

Ja, es gibt mehrere alternative Verfahren: (1) Walnut-Blasting, ein Walnussschalen-Strahlverfahren für Ansaugventil-Verkokung (300-600 Euro, sehr effektiv für den Ansaugtrakt). (2) Hydrogen-Cleaning, bei dem Wasserstoff in den Ansaugtrakt eingebracht wird (150-300 Euro, weniger effektiv). (3) Mehrfache Ölwechsel mit kurzen Intervallen, z.B. 3-mal in Folge mit günstigem Mineralöl (120-180 Euro, schonend aber zeitaufwendig). (4) TerraClean-Verfahren mit professionellem Werkstatt-Gerät (200-400 Euro, sehr gründlich).

Bei Hybrid-Fahrzeugen ja, denn der Verbrennungsmotor funktioniert identisch zu konventionellen Motoren. Eine Spülung ist sogar besonders wichtig, da der Motor häufiger kalt startet (Stop-Start-System) und weniger Betriebsstunden bei gleicher Laufleistung erreicht, was zu einem stärkeren Kondenswasser-Problem führt. Bei reinen Elektrofahrzeugen ist keine Spülung nötig, da kein Verbrennungsmotor und kein Motoröl vorhanden sind.

Absolut ja. Ein Motor, der beim Probelauf ruhig und sauber läuft, rechtfertigt einen 5-10% höheren Verkaufspreis. Sie signalisieren dem Käufer seriöse Wartung. Bei einem Fahrzeugwert von 15.000 Euro und Spülungskosten von ca. 120 Euro (DIY) ergibt sich eine potenzielle Wertsteigerung von 750 Euro. Zudem verlangen viele Händler bei Inzahlungnahme eine AU-Prüfung, bei der bessere Emissionswerte durch die Spülung helfen.